Geldanlage
60/40-Portfolio: Comeback des Klassikers oder alter Hut?
Ist die altbewährte 60/40-Strategie nach turbulenten Jahren wieder ein solider Anker für dein Depot? Wir machen den Check für 2026.
18.7.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Historische Rendite: 60/40-Portfolio (Global)
Jahresrendite eines Portfolios aus 60% MSCI World & 40% Global Bonds
Quelle: Eigene Berechnung / MSCI Daten
Noch vor wenigen Jahren wurde die klassische 60/40-Portfolioaufteilung – 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen – von vielen schon für tot erklärt. Das Schreckensjahr 2022 hat sich tief eingebrannt, als wegen der rasant steigenden Inflation sowohl Aktien als auch die vermeintlich sicheren Anleihen gleichzeitig auf Talfahrt gingen. Wer stur auf diesen Mix gesetzt hat, musste teils Verluste im zweistelligen Prozentbereich verkraften, eine absolute Ausnahme für diese diversifizierte Strategie. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Zinsen sind zurück und damit auch die entscheidende Frage: Ist Omas bewährte Anlageregel heute, im Sommer 2026, wieder eine goldene Strategie oder doch nur ein Relikt aus der Vergangenheit?
Zinswende sei Dank, der Anleihen-Teil deines Portfolios ist kein Bremsklotz mehr. Jahrelang warfst du mit Staatsanleihen bester Bonität kaum Rendite ab, oft war sie sogar negativ. Heute ist das Bild ein völlig anderes. Selbst für eine grundsolide zehnjährige deutsche Bundesanleihe bekommst du wieder eine Rendite, die spürbar über der Zwei-Prozent-Marke liegt. Das ist zwar kein Reichtum auf Knopfdruck, aber es bedeutet, dass die 40 Prozent im Depot wieder ihre eigentliche Funktion erfüllen: Sie stabilisieren, werfen einen berechenbaren Ertrag ab und wirken als Puffer, wenn es am Aktienmarkt mal wieder kracht. Der Anleihen-Teil ist also wieder ein echtes Sicherheitsnetz mit positivem Ertrag – eine Rolle, die er in der Nullzinsphase komplett verloren hatte.
Und die 60 Prozent Aktien? Die globale Wirtschaft hat sich nach den Schocks der frühen 2020er-Jahre als widerstandsfähig erwiesen. Große Indizes wie der DAX oder der MSCI World haben nach der Delle wieder neue Höchststände erreicht und beweisen, dass langfristig an Aktien kaum ein Weg vorbeiführt. Die treibenden Kräfte bleiben Innovation, Produktivität und globales Wachstum. Ein breit gestreuter Welt-ETF, zum Beispiel auf den MSCI ACWI, ist dabei für die meisten der einfachste und günstigste Weg, am Erfolg der globalen Börsen teilzuhaben. Die Kosten sind mit einer Gesamtkostenquote (TER) von oft unter 0,25 Prozent pro Jahr extrem niedrig. Die Aktienkomponente bleibt also der klare Renditemotor deines Portfolios.
Bottom Line: Die 60/40-Strategie ist weit davon entfernt, tot zu sein – sie hat durch die Rückkehr der Zinsen ihre innere Logik und ihre ausgleichende Kraft zurückgewonnen. Sie ist vielleicht nicht mehr die einzige Antwort, aber sie ist wieder ein exzellenter und robuster Ausgangspunkt für fast jeden, der langfristig Vermögen aufbauen will. Statt sie blind zu kopieren, solltest du sie als flexible Schablone verstehen: Je nach Risikobereitschaft und Anlagehorizont kannst du die Gewichtung anpassen oder um weitere Anlageklassen ergänzen. Aber als Fundament hat der Klassiker seine Berechtigung eindrucksvoll zurückerobert.
