Geldanlage
60/40-Portfolio: Comeback oder alter Hut für dein Depot?
Die Zinsen sind zurück und mischen die Karten neu. Wir checken, ob die klassische 60/40-Regel für Aktien und Anleihen heute noch rockt.
24.7.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Die Comeback-Story: Renditen 10-jähriger Staatsanleihen
Durchschnittliche Rendite deutscher Bundesanleihen am Jahresende in Prozent.
Quelle: Bundesbank, eigene Schätzung für 2026
Freitag, 24. Juli 2026. Dein Opa schwört drauf, jeder Finanzratgeber hat es gepredigt: die goldene 60/40-Regel. 60 Prozent deines Geldes in Aktien für die Rendite, 40 Prozent in sichere Anleihen zur Stabilisierung. Simpel, effektiv, legendär. Doch die letzten Jahre haben dieses Denkmal ordentlich ins Wanken gebracht. Spätestens seit dem Katastrophenjahr 2022, als Inflation und Zinswende sowohl Aktien als auch Anleihen gleichzeitig in den Keller schickten, steht die große Frage im Raum: Ist 60/40 mausetot? Die kurze Antwort: Nein. Aber die Strategie braucht dringend ein Update für die Realität von 2026.
Das größte Game-Changing-Event war die Rückkehr der Zinsen. Jahrelang war der 40-Prozent-Anleihenteil ein echter Klotz am Bein. Wer vor 2022 deutsche Staatsanleihen kaufte, zahlte drauf – negative Renditen waren die absurde Normalität. Heute sieht die Welt anders aus. Dank der beherzten Zinsschritte der Europäischen Zentralbank in 2022 und 2023 werfen selbst super-sichere 10-jährige Bundesanleihen wieder eine Rendite im soliden einstelligen Prozentbereich ab, aktuell um die 2,5 Prozent. Damit erfüllen Anleihen wieder ihre ursprüngliche Funktion: Sie liefern einen (kleinen) stetigen Ertrag und können als Puffer dienen, wenn es am Aktienmarkt mal wieder kracht. Der „sichere“ Teil deines Portfolios ist also nicht länger nur teures, totes Kapital.
Und die 60 Prozent Aktien? Die Party der letzten Dekade ist definitiv vorbei. Das Wachstum hat sich nach den wilden Nach-Corona-Jahren normalisiert und die Bewertungen vieler Tech-Giganten sind nach wie vor sportlich. Globale Lieferketten bleiben anfällig und geopolitische Zündeleien sorgen für Dauervibes der Unsicherheit. Das heißt nicht, dass mit Aktien nichts mehr zu holen ist, im Gegenteil. Aber es bedeutet, dass eine breite Streuung über einen MSCI World oder FTSE All-World hinaus wichtiger denn je ist. Vielleicht macht eine Beimischung von Value-Aktien oder Dividendentiteln wieder mehr Sinn, um nicht nur auf das nächste große Ding im Silicon Valley zu wetten. Blind reinbuttern und auf Kursfeuerwerke hoffen, ist 2026 keine Strategie, sondern Zockerei.
Bottom Line: Das 60/40-Portfolio ist kein Patentrezept mehr, das du blind aus dem Lehrbuch kopieren solltest. Aber es ist als Grundgerüst relevanter als noch vor drei Jahren. Die Wiederauferstehung der Anleihen-Rendite gibt der Strategie ihre ausgleichende Kraft zurück. Statt stur an der 60/40-Quote festzuhalten, solltest du sie als Startpunkt für deine eigene, flexible Asset Allocation sehen. Je nach deiner Risikobereitschaft könnten heute auch 70/30 oder eine 50/30/20-Mischung mit einem Anteil an Alternativen wie Gold oder Rohstoffen besser zu dir passen. Die wichtigste Lektion ist: Schau genau hin, was in den einzelnen Teilen deines Depots steckt. Nur so wird aus dem alten Hut ein Schuh, der wirklich passt.
