Geldanlage
60/40-Portfolio: Comeback oder kalter Kaffee?
Die totgesagte 60/40-Strategie ist zurück – aber lohnt sich der Mix aus Aktien und Anleihen im Jahr 2026 wirklich noch?
18.6.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Renditeprognose 60/40-Portfolio 2026
Gewichtete Beispielrechnung für ein globales Depot
Quelle: MSCI, eigene Berechnung
Hand aufs Herz: Wer von euch hat das 60/40-Portfolio nach dem desaströsen Jahr 2022 nicht insgeheim für tot erklärt? Als wegen der Zinswende plötzlich Aktien UND die vermeintlich sicheren Anleihen gleichzeitig in den Keller rauschten, schien die alte Weisheit am Ende. Aber heute, am 18. Juni 2026, sieht die Welt schon wieder anders aus. Die klassische Aufteilung von 60 Prozent des Kapitals in Aktien und 40 Prozent in Anleihen feiert ein Comeback in den Depots. Doch ist der Hype gerechtfertigt oder wärmen wir hier nur eine alte Börsen-Legende wieder auf?
Der entscheidende Unterschied zu damals liegt auf der Anleihen-Seite. Adieu, Negativzinsen! Die Zinswende der EZB, die 2022 begann, hat dafür gesorgt, dass festverzinsliche Wertpapiere endlich wieder Zinsen abwerfen. Eine 10-jährige deutsche Staatsanleihe bringt heute eine Rendite im Bereich von 2,5 bis 3 Prozent. Das klingt nicht nach Reichtum, aber es bedeutet, dass der 40-Prozent-Block im Portfolio seine eigentliche Aufgabe wieder erfüllt: Er stabilisiert, sorgt für regelmäßige Erträge und federt die Schwankungen des Aktienmarktes ab. Der Haken an der Sache: Die Inflation in der Eurozone hat sich zwar von ihren Höchstständen entfernt, pendelt aber immer noch um die Marke von 2,5 Prozent. Real, also nach Abzug der Teuerung, ist der Gewinn bei sicheren Staatsanleihen damit nahe Null. Mehr Rendite gibt es bei Unternehmensanleihen, aber damit steigt auch das Risiko.
Und die 60 Prozent Aktien? Die sind und bleiben der Renditemotor deines Portfolios. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre haben sich die globalen Märkte, gemessen am MSCI World Index, wieder erholt und zeigten 2025 eine solide Performance im hohen einstelligen Prozentbereich. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier nach wie vor in einer breiten globalen Streuung über kostengünstige ETFs. Ein thesaurierender MSCI World ETF kostet dich heute oft nur noch eine TER von unter 0,2 % pro Jahr. Er investiert für dich automatisch in tausende Unternehmen weltweit und nimmt dir die nervige Aufgabe der Einzeltitelauswahl ab. Die Volatilität bleibt natürlich, aber auf einen Anlagehorizont von 10 oder mehr Jahren war das historisch die beste Methode, um Vermögen aufzubauen.
Bottom Line: Das 60/40-Portfolio ist nicht tot, es wurde erwachsen. Es ist keine simple Formel mehr, die blind funktioniert, sondern eine bewusste Entscheidung für ein ausbalanciertes, eher konservatives Depot. Die Anleihen bringen Stabilität und einen Inflationsausgleich, die Aktien sorgen für das Wachstum. Für junge Leute mit langem Anlagehorizont und höherer Risikobereitschaft kann eine aggressivere Quote wie 80/20 oder sogar 90/10 mehr Sinn ergeben. Aber als solider, pflegeleichter und verständlicher Ausgangspunkt für den Vermögensaufbau hat die 60/40-Strategie auch im Jahr 2026 absolut ihre Daseinsberechtigung.
