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Geldanlage

60/40-Portfolio im Check: Zu spießig für junge Anleger?

Ist das klassische 60/40-Portfolio noch zeitgemäß oder bremst es den Vermögensaufbau junger Investorinnen und Investoren unnötig aus?

15.10.2026 · 3 Min Lesezeit

📊 Infografik

Durchschnittliche Jahresrendite nach Depot-Mix

Langfristige Orientierungswerte verschiedener Asset Allocations

Quelle: justETF

Das klassische 60/40-Portfolio – 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen – galt jahrzehntelang als der heilige Gral für entspannte Anleger. Doch für die jüngere Generation fühlt sich dieser Mix oft an wie ein Sportwagen mit angezogener Handbremse. Wer noch 30 oder 40 Jahre Zeit bis zum Ruhestand hat, fragt sich völlig zu Recht, warum fast die Hälfte des Vermögens in vergleichsweise ertragsarmen Papieren parken sollte. Nach den dramatischen Zinsanpassungen der Europäischen Zentralbank in den vergangenen Jahren bringen Anleihen zwar wieder passable laufende Erträge, aber der echte, langfristige Vermögensaufbau spielt sich weiterhin an den globalen Aktienmärkten ab. Blicken wir auf die harten Fakten der Finanzhistorie. Ein breit gestreuter Weltaktienindex wie der MSCI World erzielte über lange Zeiträume hinweg eine durchschnittliche Rendite von etwa sieben bis acht Prozent pro Jahr vor Inflation. Anleihen solider Staaten dienen in einem gemischten Depot dagegen primär als Stoßdämpfer. Sie begrenzen die Ausschläge nach unten, wenn die Börsen ins Trudeln geraten. Wer im Jahr 2022 miterlebt hat, wie Anleihen und Aktien zeitweise im Gleichschritt verloren, verlor zu Recht das Vertrauen in die alte Weisheit. Mittlerweile bieten festverzinsliche Wertpapiere zwar wieder reale Erträge, doch die Opportunitätskosten gegenüber puren Aktieninvestments bleiben enorm hoch. Für Anlegerinnen und Anleger unter 40 Jahren ist die klassische 60/40-Aufteilung daher meist zu vorsichtig gewählt. Warum auf Rendite verzichten, wenn man turbulente Phasen an den Märkten über Jahrzehnte hinweg problemlos aussitzen kann? Ein deutlich aktienlastigeres Depot mit einer Aufteilung von 80 Prozent Aktien und 20 Prozent Anleihen – oder für Mutige sogar ein reines ETF-Portfolio – bietet auf lange Sicht erheblich höhere Chancen auf ein Vermögen oberhalb der Inflationsrate. Staatsanleihen und Tagesgeld gehören für junge Sparer eher in die Kategorie Risikopuffer für Notfälle und nicht zwingend in den Kern des langfristigen Sparplans. Bottom Line: Das 60/40-Modell ist nicht gescheitert, sondern hat schlicht ein Altersproblem. Wer noch viele Jahrzehnte Anlagehorizont vor sich hat, bremst sich mit 40 Prozent Anleihen unnötig selbst aus. Pass deine Asset Allocation deinen persönlichen Zielen und deiner Risikotoleranz an, anstatt stur ein starres Lehrbuchmodell aus den 1980er-Jahren zu kopieren.