Geldanlage
60/40-Portfolio: Totgesagte leben einfach länger
Die klassische 60/40-Aufteilung aus Aktien und Anleihen wurde abgeschrieben. Heute, im Juli 2026, erlebt sie ein beachtliches Comeback.
19.7.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Achterbahnfahrt: Jahresperformance 60/40-Portfolio
Globale Aktien (60%) & Euro-Staatsanleihen (40%)
Quelle: Eigene Berechnung, Daten: MSCI, Bloomberg
Hand aufs Herz: Wer hat nach dem Katastrophenjahr 2022 nicht gezweifelt? Der gemütliche Portfolio-Klassiker, die 60/40-Aufteilung aus sechzig Prozent Aktien und vierzig Prozent Anleihen, hat uns damals im Stich gelassen. Aktien fielen, Anleihen fielen – die Diversifikation schien tot. Unzählige Experten riefen das Ende dieser Ära aus. Doch heute, Mitte 2026, sieht die Welt wieder anders aus. Die totgesagte Strategie meldet sich zurück, und das hat handfeste Gründe. Der Wichtigste: Zinsen sind zurück. Die Zeit, in der man für sichere Staatsanleihen Strafzinsen zahlen musste, ist endgültig vorbei. Das Umfeld hat sich seit den aggressiven Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Inflationsbekämpfung fundamental gedreht.
Die neue Realität heißt: Anleihen werfen wieder eine spürbare Rendite ab. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen, lange der Inbegriff für 'Nullrendite', bewegen sich seit einiger Zeit wieder stabil im Bereich von 2 bis 3 Prozent. Das ist zwar nicht die Welt, aber es ist eine positive, kalkulierbare Rendite, die der Anleiheteil des Portfolios erwirtschaftet. Dieser Zins-Puffer macht Anleihen wieder zu dem, was sie sein sollen: ein stabilisierendes Element, das Kursverluste bei Aktien abfedern kann. Klar, die Inflation ist nach den Spitzenwerten der Vorjahre zwar gesunken, bleibt aber ein Thema und frisst an der Realrendite. Dennoch bietet der Anleiheblock nun wieder eine echte Alternative zu Cash auf dem Tagesgeldkonto und eine deutlich geringere Volatilität als der Aktienmarkt, der sich im ersten Halbjahr 2026 eher durchwachsen zeigte.
Die Umsetzung ist dabei so einfach wie eh und je, dank kostengünstiger ETFs. Ein simples 60/40-Weltportfolio könnte heute so aussehen: 60 Prozent investierst du in einen breit gestreuten Aktien-ETF auf den MSCI World oder den FTSE All-World. Die Kosten dafür, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), liegen oft nur noch um 0,2 Prozent pro Jahr. Die restlichen 40 Prozent packst du in einen ETF auf Euro-Staatsanleihen mit guter Bonität. Auch hier sind die Kosten mit einer TER von oft unter 0,15 Prozent extrem niedrig. Mit nur zwei Produkten baust du dir also ein diversifiziertes, robustes Basis-Portfolio, das nicht mehr auf die Gnade dauerhafter Nullzinsen angewiesen ist. Rebalancing nicht vergessen: Einmal im Jahr prüfst du die Gewichtung und stellst die ursprüngliche 60/40-Aufteilung wieder her.
Bottom Line: Die 60/40-Strategie ist kein Allheilmittel und die massiven Gewinne der letzten Dekade sind wohl Geschichte. Aber als totes Relikt? Weit gefehlt. Für Anleger, die eine einfache, disziplinierte und transparente Strategie mit einem ausgewogenen Risiko-Rendite-Profil suchen, ist der Mix aus Aktien und verzinsten Anleihen im Jahr 2026 wieder eine absolut vernünftige und solide Grundlage für den langfristigen Vermögensaufbau. Sie ist vielleicht nicht mehr der einzige Weg, aber definitiv wieder einer, über den man ernsthaft nachdenken sollte.
