Geldanlage
Dein Depot hat Schlagseite? Zeit fürs Rebalancing!
Deine Aktien gehen durch die Decke? Perfekt! Aber Achtung: Jetzt musst du dein Portfolio wieder auf Kurs bringen, um Risiken zu managen. So geht's.
16.7.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
So hat sich eine 70/30-Strategie verschoben
Beispielhafte Portfolio-Entwicklung von Jan. 2025 bis Juli 2026
Quelle: eigene Schätzung / MSCI-Daten
Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal dein Depot aufgeräumt? Wahrscheinlich ist es eine Weile her. Und falls du wie die meisten in einen Mix aus globalen Aktien- und Anleihen-ETFs investierst, dann dürfte dein Portfolio aktuell eine ziemlich deutliche Schlagseite haben. Nach einer starken Rallye bei Tech- und US-Werten, die seit Ende 2025 anhält, ist der Aktienanteil bei vielen ins Übergewicht geraten. Eine ursprüngliche 70/30-Aufteilung zwischen Aktien und sicheren Anleihen kann sich unbemerkt in eine 80/20-Wette verwandelt haben. Das fühlt sich im Rausch der Gewinne super an, erhöht aber schleichend dein Risiko. Wenn die Märkte drehen, und das tun sie irgendwann immer, sind die Verluste umso schmerzhafter. Zeit, die Gewichte wieder ins Lot zu bringen – Zeit fürs Rebalancing.
Rebalancing ist nichts anderes als diszipliniertes Risikomanagement. Die Strategie ist simpel: Du verkaufst einen Teil der gut gelaufenen Anlageklasse, um die Gewinne zu sichern. Mit dem Erlös kaufst du Anteile der Anlageklasse, die im Vergleich unterdurchschnittlich performt hat. Du verkaufst also teuer und kaufst günstig. Damit stellst du deine ursprüngliche, zu deiner Risikobereitschaft passende Asset Allocation wieder her. Das mag sich kontraintuitiv anfühlen – warum sollte man Gewinner verkaufen? – aber es ist der Schlüssel, um langfristig auf Kurs zu bleiben und nicht in die Gier-Falle zu tappen. Es ist die mechanische, emotionslose Antwort auf die Irrationalität der Märkte und deine eigene Psyche.
In der Praxis gibt es zwei gängige Ansätze: zeitbasiert oder schwellenwertbasiert. Beim zeitbasierten Rebalancing checkst du dein Depot in festen Intervallen, zum Beispiel einmal im Jahr, und passt es an. Der schwellenwertbasierte Ansatz ist flexibler: Du greifst ein, sobald eine Anlageklasse um einen definierten Prozentsatz, etwa 5 oder 10 Prozentpunkte, von ihrer Zielgewichtung abweicht. Beispiel: Dein MSCI World ETF sollte 50 % ausmachen, ist aber auf 56 % geklettert. Dann verkaufst du Anteile, bis er wieder bei 50 % liegt, und investierst den Erlös in deine untergewichteten Positionen. Denk dabei an den Steuerfreibetrag! Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 Euro pro Person. Gewinne, die du realisierst, bleiben bis zu dieser Höhe steuerfrei. Alles darüber wird mit der Abgeltungsteuer von 25 % plus Soli belegt.
Bottom Line: Rebalancing ist kein Versuch, den Markt zu timen, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer passiven Buy-and-Hold-Strategie. Es zwingt dich zu antizyklischem Handeln und schützt dein Portfolio vor Klumpenrisiken. Es ist die unspektakuläre, aber extrem wirkungsvolle Routine, die aus einem Zocker einen disziplinierten Investor macht. Also, logg dich ein und bring dein Depot wieder auf Vordermann.
