Geldanlage
Ist das 60/40-Depot tot? Warum der Klassiker wieder zieht
Das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen feiert ein Comeback – doch passt der Strategie-Oldie wirklich noch zu deiner Finanzplanung?
29.9.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Erwartete Renditechancen nach Strategie
Langfristig orientierte Durchschnittsrenditen (Indikativ)
Quelle: MSCI & Bloomberg / justETF 2025
Jahrelang galt die goldene Regel der Geldanlage als verstaubter Mythos aus dem letzten Jahrhundert: 60 Prozent Aktien für den Vermögensaufbau, 40 Prozent Anleihen für die Nervenberuhigung. In den Zeiten von Nullzins und Negativzinsen brachten Anleihen schließlich kaum mehr als ein müdes Lächeln auf dem Sparkassenkonto. Doch wer geglaubt hat, dass dieses Prinzip endgültig auf dem Friedhof der Finanzgeschichte gelandet ist, muss seine Brille putzen. Mit der Rückkehr normaler Leitzinsen bei der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank haben Anleihen wieder Zähne bekommen. Das Fundament des Klassikers steht wieder auf realistischen Füßen, weil der Anleihen-Teil endlich wieder das tut, wofür er erfunden wurde: Er wirft wieder verlässliche Renditen ab und federt Börsenbeben ab.
Wer heute sein Geld anlegt, steht vor einer völlig anderen Ausgangslage als noch vor wenigen Jahren. Ein weltweiter Aktienindex bringt historisch betrachtet zwar langfristig starke Renditen im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, zieht aber regelmäßig durch wilde Achterbahnfahrten. Genau hier greift die Mechanik des Mix-Depots: Während die Aktienseite das Wachstum vorantreibt, sorgen Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität für Stabilität im Portfolio. Wer mit Mitte 20 noch Jahrzehnte Zeit bis zur Rente hat, kann zwar entspannt auf eine deutlich höhere Aktienquote setzen. Aber wer bereits Vermögen sichern möchte oder schlichtweg bei einem Börsen-Crash von 30 Prozent nachts nicht schweißgebadet aufwachen will, findet im 60/40-Ansatz ein sehr verlässliches Werkzeug.
Entscheidend für den Erfolg ist jedoch das regelmäßige Rebalancing, das viele Privatanleger stiefmütterlich behandeln. Läuft die Börse steil nach oben, verschiebt sich das Verhältnis schnell auf 70 oder 80 Prozent Aktienanteil, wodurch das Risikoprofil unbeabsichtigt nach oben schießt. Durch den gezielten Verkauf von Gewinnern und den Nachkauf von zurückgebliebenen Bausteinen stellt man einmal im Jahr das ursprüngliche Mischverhältnis wieder her. Das klingt antizyklisch und erfordert Disziplin, schützt dein Depot aber effektiv vor emotionalen Kurzschlussreaktionen. Mit kostengünstigen ETFs lässt sich diese Strategie heute mit minimaler Gesamtkostenquote und wenigen Klicks umsetzen.
Bottom Line: Das 60/40-Depot ist keineswegs tot, sondern feiert ein solides Comeback als stressfreie Allround-Lösung für sicherheitsorientierte Anleger. Wer jung ist und einen langen Atem hat, fährt mit einer höheren Aktienquote vermutlich Rendite-stärker, doch als defensiver Kernbaustein bleibt die Aufteilung ein zeitloser Maßstab an den Finanzmärkten.
