← Blog

Crypto

MiCA & Stables: Wer hat jetzt die Hosen an?

Fast zwei Jahre nach MiCA: Wir zeigen, welche Stablecoins in Europa überlebt haben und warum der Euro langsam, aber sicher aufholt.

26.6.2026 · 3 Min Lesezeit

Ein Stapel Euro-Münzen neben einem digitalen Symbol für Stablecoins auf einem Smartphone-Display vor EU-Flagge.

📊 Infografik

Stablecoin-Marktanteile in der EU

Veränderung ca. 18 Monate nach MiCA-Inkrafttreten

Quelle: CoinGecko & eigene Schätzung Q2 2026

Stichtag 26. Juni 2026. Die Markets in Crypto-Assets-Verordnung, kurz MiCA, ist seit gut 18 Monaten in der gesamten EU voll scharf geschaltet. Wir erinnern uns: Bis zum 30. Dezember 2024 mussten alle Krypto-Player ihre Hausaufgaben machen. Besonders im Fokus stand der Wilde Westen der Stablecoins. Die große Frage damals: Wird die EU mit ihrer Regulierung die Dollar-Dominanz von Tether (USDT) und Circle (USDC) brechen? Heute, Mitte 2026, ziehen wir Bilanz. Die kurze Antwort: Jein. Die Landschaft hat sich definitiv verändert, aber eine komplette Revolution ist ausgeblieben. Die großen Player sind immer noch da, aber sie müssen nach den europäischen Regeln spielen, was vor allem für voll besicherte E-Geld-Token (EMTs) die Türen geöffnet hat. Für dich als Nutzer auf Börsen wie Bitvavo, Kraken oder Coinbase Pro bedeutet MiCA vor allem eines: mehr Sicherheit, aber auch eine kuratierte Auswahl. Viele Plattformen haben ihr Angebot angepasst und listen prominent MiCA-konforme Stablecoins. Das sind in erster Linie die als E-Geld-Token (EMTs) klassifizierten Coins, die 1:1 durch sichere, liquide Mittel wie Bankeinlagen gedeckt sein müssen und von einem lizenzierten E-Geld- oder Kreditinstitut ausgegeben werden. Circle hat hier früh die Weichen gestellt und sich für seinen EURC eine Lizenz in Frankreich gesichert, was ihm einen klaren Vorteil im europäischen Markt verschafft. Riskante, algorithmische Stablecoins, die vor Jahren noch für Furore und Crashs sorgten, sind aus dem europäischen Handel praktisch verschwunden. Niemand will mehr die Geister der Vergangenheit wecken. Ein Blick auf die Marktdaten via DefiLlama und Kaiko zeigt: Die Dominanz von USDT hat innerhalb der EU spürbar nachgelassen. Während Tether global weiter eine Macht ist, konzentriert sich der Anbieter zunehmend auf Märkte außerhalb Europas, um den strengen Transparenz- und Reserveanforderungen von MiCA auszuweichen. USDC konnte seine Position als 'der regulierte' Stablecoin festigen. Die eigentlichen Gewinner sind aber die Euro-Stablecoins. Ihr Marktanteil, der 2024 noch bei unter einem Prozent lag, ist deutlich gestiegen und hat sich einen spürbaren Teil des Kuchens gesichert. Neben EURC drängen auch andere Player wie der an den Euro gebundene Coin der Société Générale (EURCV) in den Markt, was den Wettbewerb befeuert. Bottom Line: MiCA hat Stablecoins in der EU nicht gekillt, sondern gezähmt und einen professionellen Rahmen geschaffen. Für uns Investoren bedeutet das einen Trade-off: weniger exotische Optionen, dafür mehr Vertrauen in die Basiswerte, die wir für DeFi und Trading nutzen. Der große Umbruch ist ausgeblieben, stattdessen sehen wir eine langsame, aber stetige Erosion der Dollar-Dominanz zugunsten des Euro. Der Kampf um den führenden, lizenzierten Euro-Stablecoin hat gerade erst begonnen und wird die nächste Phase dieses Marktzyklus prägen.