Geldanlage
R.I.P. 60/40? Warum der Portfolio-Klassiker wieder rockt
Nach harten Jahren ist die 60/40-Strategie zurück. Wir zeigen dir, warum Aktien und Anleihen in 2026 wieder ein Dream-Team bilden.
28.7.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Die Comeback-Story der Anleihen
Durchschnittliche Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen
Quelle: Bundesbank / eigene Schätzung
Hand aufs Herz: Wer von euch hat 2022 nicht kurz an allem gezweifelt? In dem Jahr, als die Börsen-Weisheit „Anleihen federn Aktien-Verluste ab“ spektakulär versagte und einfach alles in den Keller rauschte. Weltweite Aktien-ETFs verloren im hohen zweistelligen Prozentbereich, und selbst als sicher geltende Staatsanleihen taten es ihnen gleich. Schnell wurde der Tod der klassischen 60/40-Portfolio-Aufteilung ausgerufen – 60 Prozent Aktien für die Rendite, 40 Prozent Anleihen für die Sicherheit. Doch heute, Mitte 2026, sieht die Lage komplett anders aus. Die Totgesagten leben länger, und die 60/40-Strategie atmet wieder, kräftiger als zuvor.
Der Grund für dieses Comeback hat einen Namen: Zinsen. Die Zeit des fast kostenlosen Geldes ist vorbei. Um die Inflation von 2022 und 2023 in den Griff zu bekommen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen so stark angehoben wie nie zuvor. Das war damals schmerzhaft für alle, die Anleihen mit mickriger Verzinsung im Depot hatten. Doch heute ist es ein Segen. Neue, qualitativ hochwertige Staats- oder Unternehmensanleihen werfen wieder eine spürbare Rendite ab. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen, die jahrelang eine negative Rendite hatten, bieten nun wieder einen Zins, der zumindest einen Teil der Inflation ausgleichen kann. Damit erfüllen Anleihen wieder ihre Kernfunktion im Depot: Sie liefern laufende Erträge und agieren als stabilisierender Anker, wenn die Aktienmärkte mal wieder Achterbahn fahren.
Auf der Aktienseite hat sich wenig geändert: Ein breit gestreuter, günstiger ETF auf einen Weltindex wie den MSCI World ist und bleibt der Wachstumsmotor jedes langfristigen Depots. Die Kosten dafür sind minimal, oft liegt die Gesamtkostenquote (TER) bei nur rund 0,2 % pro Jahr. Die Magie entsteht jetzt wieder in der Kombination. Nach den Rekordjahren 2023 bis 2025 ist eine Korrektur an den Aktienmärkten jederzeit möglich. Fällt dein Aktienanteil um 10 %, gleichen die stabilen Zinszahlungen und die Kursstabilität deiner Anleihen einen Teil des Verlustes aus. Die negative Korrelation, also die gegenläufige Bewegung von Aktien und Anleihen, die 2022 kurzzeitig aussetzte, ist zurück. Das Zusammenspiel funktioniert wieder und macht dein Portfolio robuster gegen die Launen des Marktes.
Bottom Line: Das 60/40-Portfolio ist keine revolutionäre High-Tech-Wissenschaft, sondern eher das solide Grundrezept aus Omas Kochbuch – es funktioniert einfach. Nach Jahren der Dürre im Anleihen-Markt ist die Strategie 2026 wieder eine absolut valide Basis für alle, die einen ausgewogenen Mix aus Wachstum und Sicherheit suchen. Ob dein persönlicher Mix eher 70/30 oder 50/50 sein sollte, hängt von deiner Risikobereitschaft und deinem Anlagehorizont ab. Aber das Prinzip, sein Vermögen auf diese zwei grundverschiedenen Säulen zu stellen, ist heute so relevant wie eh und je.
