ETFs
Themen-ETFs: Hype-Maschine oder Geld-Grab?
KI- und Robotik-ETFs waren der Star. Doch ist die Party schon vorbei und was taugt der Trend für dein Depot wirklich?
28.7.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Themen-ETFs vs. Welt-Index
Performance YTD (Januar - Juni 2026)
Quelle: MSCI, Bloomberg | Stand: Juni 2026
Hand aufs Herz: Wer hat 2023 und 2024 nicht mit dem Gedanken gespielt, in einen KI- oder Robotik-ETF zu investieren? Die Story war einfach zu gut. Gefühlt jeden Tag neue Rekorde bei den Tech-Giganten und die Aussicht, mit der nächsten technologischen Revolution reich zu werden. Viele sind auf den Zug aufgesprungen, und die Fondsgesellschaften haben einen Themen-ETF nach dem anderen auf den Markt geworfen, um von der Goldgräberstimmung zu profitieren. Der Ansturm war real und hat die Kurse dieser speziellen Indexfonds in die Höhe getrieben. Doch spätestens seit letztem Jahr macht sich bei vielen Anlegern eine gewisse Ernüchterung breit.
Der Blick auf die harte Realität zeigt: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Während die Performance von 2023 bis Anfang 2024 teils phänomenal war, zeigten viele dieser hochspezialisierten ETFs im Verlauf von 2025 und im ersten Halbjahr 2026 eine deutlich schwächere Entwicklung als der breite Weltmarkt. Ein klassischer MSCI World ETF hat viele der gehypten Themen-ETFs schlichtweg outperformt. Woran liegt's? Zum einen an den Kosten. Themen-ETFs haben oft eine Gesamtkostenquote (TER) von 0,4 % bis über 0,7 % pro Jahr, während ein günstiger Welt-ETF schon für um die 0,2 % zu haben ist. Zum anderen liegt es am Klumpenrisiko. Oft hängen diese ETFs an der Performance von nur wenigen Schwergewichten. Läuft es bei diesen Top-Aktien nicht rund, zieht das den ganzen Fonds runter. Viele der Zukunftsaussichten sind außerdem längst in den Kursen enthalten – die Super-Renditen der ersten Stunde sind schwer zu wiederholen.
Das heißt nicht, dass jede Investition in Zukunftstrends zum Scheitern verurteilt ist. Aber sie erfordert eine andere Herangehensweise. Anstatt dein gesamtes Erspartes auf eine einzige thematische Wette zu setzen, solltest du die sogenannte Core-Satellite-Strategie in Betracht ziehen. Der „Core“, also der Kern deines Depots, besteht aus einem oder zwei breit gestreuten, kostengünstigen Welt-ETFs. Das ist dein solides Fundament für den langfristigen Vermögensaufbau. Die „Satelliten“ sind dann kleine Beimischungen von vielleicht 5 % bis maximal 10 % deines Gesamtportfolios. Hier kannst du gezielt in Themen wie KI, Cybersicherheit oder Clean Energy investieren, von denen du persönlich überzeugt bist. So profitierst du von möglichen Chancen, ohne dein gesamtes Vermögen zu gefährden, falls der Hype abflaut.
Bottom Line: Themen-ETFs sind wie scharfe Gewürze für dein Portfolio – in kleinen Dosen super, zu viel davon verdirbt das ganze Gericht. Der Hype um KI und Robotik ist technologisch real, aber an der Börse war viel davon schon 2024 eingepreist. Wer jetzt noch blind einsteigt, kauft vielleicht die Story von gestern. Eine kleine, spekulative Beimischung kann okay sein, aber das Fundament deines Vermögens sollte ein langweiliger, günstiger und breit gestreuter Welt-ETF bleiben. Alles andere ist Zockerei, kein Investment.
