Geldanlage
Totgesagte leben länger: Ist das 60/40-Depot wieder sexy?
Das klassische 60/40-Portfolio wurde jahrelang totgesagt. Doch dank gestiegener Anleiherenditen feiert der Mix aus Aktien und Anleihen ein echtes Comeback.
24.8.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Depot-Strukturen im historischen Vergleich
Erwartetes Risiko-Rendite-Profil auf Sicht von 10 Jahren
Quelle: MSCI / Bloomberg
Jahrelang galt die goldene Regel der Vermögensverwaltung als völlig verstaubt. 60 Prozent Aktien für das Wachstum, 40 Prozent Anleihen für die Stabilität. Während der Nullzinsphase war dieses Konzept tatsächlich ziemlich witzlos, weil Staatsanleihen kaum Zinsen abwarfen und bei Marktturbulenzen wenig Puffer boten. Viele Finanzberater erklärten das 60/40-Depot deshalb voreilig für tot und rieten stattdessen zu 100 Prozent Aktien oder hochspekulativen Alternativen.
Doch die Marktlandschaft hat sich nachhaltig gedreht. Seitdem die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank die Leitzinsen angepasst haben, liefern festverzinsliche Wertpapiere wieder solide Erträge. Europäische Staatsanleihen hoher Bonität bieten wieder Renditen im Bereich von zwei bis drei Prozent. Damit erfüllt der defensive 40-Prozent-Anteil im Depot endlich wieder seine ursprüngliche Doppelaufgabe. Er federt Kursrückschläge an den weltweiten Aktienmärkten spürbar ab und generiert zeitgleich verlässliche Zinserträge.
Gerade für Anleger, die nicht bei jedem Marktcrash schweißgebadet aufwachen wollen, bleibt dieses Modell extrem attraktiv. Während risikofreudige Sparer mit sehr langem Anlagehorizont oft voll auf globale Aktien-ETFs setzen, sorgt die Anleihenkomponente für eine spürbare Nervenschonung. Wer bei einem Kurssturz von 30 Prozent an den Aktienmärkten kalte Füße bekommt und panisch verkauft, zerstört langfristig mehr Vermögen als durch eine etwas geringere Rendite verloren ginge. Genau hier spielt die disziplinierte Vermögensaufteilung ihre psychologische Stärke aus.
Die praktische Umsetzung im eigenen Depot ist heute denkbar einfach und extrem günstig. Über breit streuende ETFs mit einer Gesamtkostenquote von unter 0,20 Prozent pro Jahr lässt sich das Konzept mit nur zwei Bausteinen abbilden. Ein klassischer MSCI World ETF in Kombination mit einem Euro-Aggregate-Bond-ETF reicht vollkommen aus. Wer einmal im Jahr ein Rebalancing durchführt und die ursprüngliche Gewichtung wiederherstellt, antizyklisch nachkauft und Gewinne sichert, hält sein Risiko ohne großen Aufwand im Zaum.
Bottom Line: Das klassische 60/40-Portfolio ist keineswegs ein Relikt aus vergangenen Zeiten, sondern eine durchdachte Basis für risikobewusste Anleger. Wer volle Volatilität problemlos aushält, fährt mit einer höheren Aktienquote langfristig meist ertragreicher, aber als stressfreier Stabilitätsanker beweist die Strategie heute wieder ihren zeitlosen Wert.
