Geldanlage
Totgesagte leben länger: Ist das 60/40-Portfolio zurück?
Ist der Klassiker aus 60% Aktien und 40% Anleihen wieder eine rentable Strategie für dein Depot? Wir machen den Reality-Check.
11.9.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Das 60/40-Portfolio im Überblick
Klassische Asset Allocation und geschätztes Risikoprofil
Quelle: justETF 2025
Jahrelang galt das traditionelle 60/40-Portfolio aus sechzig Prozent Aktien und vierzig Prozent Anleihen bei vielen Finanz-Gurus als völlig überholt. In den Jahren der Nullzins-Politik brachten festverzinsliche Wertpapiere kaum Rendite und konnten bei den massiven Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbank ab 2022 nicht einmal mehr Schutz vor Verlusten bieten. Doch die Finanzmärkte haben sich neu sortiert. Nach der Stabilisierung des Leitzinsniveaus in den Jahren 2024 bis 2026 werfen europäische Staats- und Unternehmensanleihen wieder respektable Renditen ab. Damit rückt eine altbewährte Strategie wieder in den Fokus junger Anleger.
Wer auf eine breite Diversifikation setzt, kombiniert typischerweise weltweite Aktien-ETFs wie den MSCI World mit liquiden Euro-Anleihen hoher Bonität. Die Aktienkomponente bleibt der primäre Renditetreiber des Portfolios, sorgt aber naturgemäß für stürmische Phasen an den Börsen. Der vierzigprozentige Anleihenanteil erfüllt dagegen nun endlich wieder seine klassische Doppelfunktion. Er bringt regelmäßig planbare Zinserträge ein und federt Rücksetzer am Aktienmarkt spürbar ab. Statt einer spekulativen Einzelfallwette setzt diese Mischung auf die fundamentale Erkenntnis, dass Risikomanagement der Schlüssel zu langfristigem Erfolg ist.
Dennoch passt die 60/40-Aufteilung nicht pauschal zu jedem Finanzplan. Wer Anfang zwanzig ist und sein Erspartes für die nächsten dreißig Jahre unberührt im ETF-Sparplan liegen lassen kann, fährt mit einer höheren Aktienquote von 80 oder 100 Prozent historisch gesehen renditestärker. Wer jedoch mittelfristige Ziele verfolgt oder schlicht ein ausgewogeneres Risikoprofil bevorzugt, schützt sich mit Anleihen vor extremen Verlustphasen. Entscheidend bleibt dabei das disziplinierte Rebalancing: Einmal im Jahr wird die ursprüngliche Verteilung wiederhergestellt, wodurch man automatisch Gewinne bei gut gelaufenen Werten mitnimmt und günstig nachkauft.
Bottom Line: Das 60/40-Portfolio ist keineswegs tot, sondern zeigt sich im aktuellen Zinsumfeld so attraktiv wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Es bleibt das Schweizer Taschenmesser für alle Anleger, die solides Kapitalwachstum wollen, ohne bei Marktturbulenzen ins Schwitzen zu geraten.
