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Geldanlage

Totgesagte leben länger: Taugt das 60/40-Depot heute noch?

Das klassische 60/40-Portfolio galt lange als verstaubt, feiert durch das neue Zinsumfeld aber sein Comeback für entspannte Anleger.

1.9.2026 · 3 Min Lesezeit

📊 Infografik

Das 60/40-Portfolio im Rendite-Check

Historische durchschnittliche Jahresrenditen verschiedener Depot-Varianten

Quelle: justETF / MSCI Data 2025

Jahrelang galt die goldene Regel des Portfoliomanagements als absolut tot. Wer 60 Prozent seines Geldes in globale Aktien und 40 Prozent in Anleihen steckte, wurde in der Nullzins-Ära müde belächelt. Schließlich brachten Anleihen kaum Rendite und schützten im damaligen Marktcrash nicht einmal vor Verlusten. Doch die Finanzwelt hat sich gedreht. Seit die Europäische Zentralbank die Leitzinsen wieder auf ein solides Niveau eingependelt hat, liefern festverzinsliche Wertpapiere endlich wieder das, wofür sie erfunden wurden: laufende Erträge und echte Stabilität im Depot. Wer heute einen MSCI World ETF mit Euro-Staatsanleihen kombiniert, bekommt kein langweiliges Großmutter-Depot, sondern eine durchdachte Sicherheitslinie. Für jüngere Anleger stellt sich trotzdem die Sinnfrage. Warum sollte man mit Mitte zwanzig oder Anfang dreißig auf Rendite verzichten und 40 Prozent in Anleihen parken, wenn der Anlagehorizont noch drei Jahrzehnte beträgt? Die Antwort liegt nicht in der maximalen Rendite, sondern im eigenen Ruheplus. Historische Auswertungen von Indexanbietern wie MSCI zeigen zwar, dass ein reines Aktiendepot langfristig die Nase vorn hat. Allerdings halten die wenigsten Einsteiger einen Kurssturz von 40 Prozent durch, ohne panisch auf Verkaufen zu klicken. Der Anleihen-Puffer bremst den Absturz spürbar ab und liefert in turbulenten Marktphasen das nötige Rebalancing-Kapital, um günstig Aktien nachzukaufen. Natürlich muss die Mischung nicht sklavisch bei exakt 60 zu 40 eingefroren werden. Wer jung ist und Schwankungen problemlos aussitzt, fährt mit einer aktienlastigeren Aufteilung wie 80 zu 20 vermutlich besser. Wer dagegen kurz vor dem Immobilienerwerb steht oder bei roten Zahlen im Depot schlaflose Nächte bekommt, findet in der klassischen Variante eine funktionierende Festung. Wichtig ist dabei nur die Disziplin beim Rebalancing: Einmal im Jahr wird die ursprüngliche Quote wiederhergestellt, indem Gewinne bei den gut gelaufenen Bausteinen mitgenommen und die Nachzügler aufgestockt werden. Das zwingt automatisch dazu, hoch zu verkaufen und tief einzukaufen. Bottom Line: Das 60/40-Modell ist keineswegs verstaubt, sondern feiert dank realistischer Zinsen ein hochaktuelles Comeback. Es ist nicht die Formel für den schnellsten Reichtum, aber der verlässlichste Airbag für alle, die ohne Herzrasen Vermögen aufbauen wollen.