Geldanlage
Totgesagte leben länger: Warum das 60/40-Depot jetzt rockt
Das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen feiert ein überraschendes Comeback in deinem Depot.
24.9.2026 · 3 Min Lesezeit
📊 Infografik
Asset Allocation im Vergleich
Historische Rendite p.a. verschiedener Depot-Mischungen
Quelle: MSCI & justETF 2025
Jahre lang galt das klassische 60/40-Portfolio aus sechzig Prozent Aktien und vierzig Prozent Anleihen in der Finanzszene als absolut überholt. In den langen Jahren der Null- und Negativzinsen brachten Anleihen schlichtweg keine Rendite mehr und taugten folglich nicht einmal mehr als verlässlicher Risikopuffer. Wer sein hart erarbeitetes Geld vermehren wollte, schob notgedrungen fast alles in breit gestreute Aktien-ETFs, Krypto oder Wachstumsaktien. Doch die Welt hat sich gedreht. Nachdem die Europäische Zentralbank die Leitzinsen spürbar angepasst hat, liefern festverzinsliche Wertpapiere endlich wieder attraktive laufende Erträge.
Das Comeback dieser traditionsreichen Strategie hat einen einfachen physikalischen Grund an den Finanzmärkten: Der Stoßdämpfer-Effekt funktioniert wieder. Wenn die Aktienmärkte durch geopolitische Spannungen oder Konjunktursorgen nervös reagieren und auf Talfahrt gehen, flüchten Investoren traditionell in sichere Staats- und Unternehmensanleihen. Das treibt die Anleihekurse nach oben und federt den Absturz des Gesamtdepots effektiv ab. Dieser historische Ausgleichsmechanismus war jahrelang außer Kraft gesetzt, weil Zinsen schlicht nicht mehr weiter fallen konnten. Heute bieten europäische Anleihen wieder verlässliche Renditen im Bereich von drei Prozent, was das Risiko deines Portfolios massiv reduziert.
Musst du als junger Investor jetzt sklavisch vierzig Prozent deines Ersparten in Anleihen parken? Natürlich nicht unbedingt. Wer noch drei oder vier Jahrzehnte Anlagehorizont vor sich hat, ist mit einer dynamischeren Verteilung wie 80/20 oder 70/30 vermutlich besser bedient, um maximal vom Zinseszins zu profitieren. Der strategische Kerngedanke bleibt jedoch unumstößlich: Kaum ein Anleger hält ein reines Aktiendepot völlig ohne mentale Schmerzen durch, wenn die Kurse auf breiter Front um dreißig Prozent einbrechen. Ein stabiler Anleihenbaustein verhindert emotionale Panikverkäufe im absoluten Tief und liefert dir frische Liquidität durch Rebalancing, um günstig Aktien nachzukaufen.
Bottom Line: Die Totgesagten leben bekanntlich länger, denn die Mischstrategie feiert im heutigen Marktumfeld ein absolut berechtigtes Comeback. Du musst deine Anlagestrategie nicht radikal umwerfen, aber wer das eigene Risiko klug strukturiert, schläft in turbulenten Börsenphasen deutlich ruhiger und sichert sich langfristig hervorragende Renditechancen.
